So rechnet der WDVS-Rechner
Beim Wärmedämmverbundsystem (WDVS) werden Dämmplatten außen auf das Mauerwerk geklebt und gedübelt, armiert und verputzt. Der Rechner ermittelt, wie dick die Platten sein müssen, und zählt die Pakete.
- Fläche: Wandlänge × Wandhöhe. Für jede Tür zieht der Rechner 2 m² ab, für jedes Fenster 1,5 m². Haben Sie größere Fenster, geben Sie die Nettofläche direkt ein.
- Formel: U = 1 / (Rsi + Σ d/λ + Rse) mit Rsi 0,13 und Rse 0,04 m²·K/W für eine Außenwand nach DIN EN ISO 6946.
- Restaufbau: Für eine ungedämmte Mauerwerkswand nimmt der Rechner den amtlichen Pauschal-U-Wert von 1,4 W/(m²·K) aus der Bekanntmachung vom 08.10.2020. Wand und Übergangswiderstände ergeben zusammen R 0,71. Für U 0,24 braucht die Dämmung also mindestens R 3,45, für U 0,20 R 4,29.
- Ihr eigener Wert: Kennen Sie den U-Wert Ihrer Wand, etwa aus dem Energieausweis, wählen Sie „Ich kenne den U-Wert“. Dicke Natursteinwände dämmen anders als dünne Ziegelwände.
- WLS/WLG: WLS 035 heißt λ = 0,035 W/(m·K). Graue EPS-Platten mit WLS 032 dämmen besser und können dünner sein. Bei Produkten, die einen Bemessungswert λB angeben, rechnet der Rechner mit diesem Wert, nicht mit dem Nennwert λD.
Rechenbeispiel: 150 m² Fassade
Ein Einfamilienhaus mit 150 m² Wandfläche nach Abzug der Fenster und Türen, ungedämmt (U 1,40). Mit 10 % Verschnitt rechnet der Rechner mit 165 m². Ein Paket mit 14 oder 16 cm dicken Platten enthält 1,5 m².
| Ziel | Dämmplatte | Dicke | Einkaufen | Materialkosten Platten | U danach |
|---|---|---|---|---|---|
| GModG/GEG, U ≤ 0,24 | EPS WLS 035 | 14 cm | 110 Pakete | 2.883 € | 0,21 |
| BEG, U ≤ 0,20 | EPS WLS 035 | 16 cm | 110 Pakete | 3.164 € – 4.092 € | 0,19 |
| BEG, U ≤ 0,20 | EPS WLS 032 grau | 14 cm | 110 Pakete | 2.952 € | 0,20 |
Für das Förderziel sind die grauen Platten WLS 032 in diesem Beispiel günstiger als 16 cm weiße Platten und 2 cm dünner. Die Preise für 16 cm dicke Platten sind aus dem m²-Preis dünnerer Platten hochgerechnet, also eine Schätzung.
Material ist nicht alles
Die Materialkosten im Rechner gelten nur für die Dämmplatten. Kleber, Dübel, Armierungsgewebe, Putz, Sockel- und Kantenprofile, Gerüst und Arbeitslohn kommen hinzu. Laut Verbraucherzentrale kostet ein WDVS mit Gerüst, Putz und allen Arbeiten etwa 150 bis 200 € pro m². Für 150 m² wären das grob 22.500 € bis 30.000 €. Ein WDVS wird deshalb meist vom Fachbetrieb ausgeführt. Am wirtschaftlichsten ist es, wenn ohnehin ein Gerüst steht und der Putz erneuert werden muss.
WDVS: Styropor oder Mineralwolle?
- EPS (Styropor): leicht, einfach zu schneiden, mit WLS 032 bis 035 erhältlich. EPS ist brennbar. Ab 10 cm Dicke verlangen die bauaufsichtlichen Regeln deshalb zusätzliche Brandschutzmaßnahmen, zum Beispiel umlaufende Brandriegel aus nicht brennbarer Mineralwolle. Das plant der Fachbetrieb nach der Zulassung des Systems.
- Mineralwolle: nicht brennbar und diffusionsoffen. Ihr Preis ist im Rechner nicht hinterlegt. Die nötige Dicke für jede Wärmeleitstufe finden Sie unter Dämmstärke berechnen.
- System statt Einzelteile: Ein WDVS ist ein zugelassenes System. Platten, Kleber, Dübel und Putz sollten vom selben Hersteller stammen.
Fenster, Dachüberstand und Gerüst
- Fensterlaibungen: Dämmen Sie auch die Laibungen, sonst entsteht dort eine Wärmebrücke. Am besten tauschen Sie alte Fenster vorher oder gleichzeitig und setzen die neuen weiter außen in die Dämmebene.
- Dachüberstand: Die Fassade wird um die Dämmdicke plus Putz dicker. Reicht der Dachüberstand an Traufe und Ortgang nicht mehr, muss er verlängert werden, damit Regen nicht auf die Dämmung läuft.
- Anbauteile: Fensterbänke, Fallrohre, Außenleuchten, Markisen und Briefkästen müssen ab- und wieder angebaut werden, mit passenden Montageelementen in der Dämmung.
- Gerüst: Ein Fassadengerüst ist fast immer nötig. Fragen Sie im Angebot nach, ob es im Preis enthalten ist.
- Altlasten: Alte Fassadenplatten aus Asbestzement fallen unter die TRGS 519, auch für Privatleute. Nicht bohren, schleifen oder brechen. Alte Mineralwolle aus der Zeit vor 1996 (TRGS 521) gehört ebenfalls in die Hände eines Fachbetriebs.
Pflicht und Förderung
Eine allgemeine Pflicht zur Fassadendämmung gibt es nicht. Wenn Sie aber mehr als 10 % der Fassadenfläche erneuern, etwa den Außenputz, gilt nach Anlage 7 GModG (ehemals GEG) ein U-Wert von höchstens 0,24 W/(m²·K). Ist die Dicke technisch begrenzt, genügt die höchstmögliche Dicke mit λ 0,035. Für die BAFA-Förderung muss die Wand U ≤ 0,20 erreichen. Die Grundförderung beträgt 15 %, einen Energieeffizienz-Experten brauchen Sie in der Regel. Mehr dazu unter GEG- und BEG-Anforderungen. Eigene Aufbauten rechnen Sie mit dem U-Wert-Rechner nach.
Quellen
- GModG (ehem. GEG) Anlage 7 – Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten
- § 37 GModG – Berechnung des Wärmedurchgangskoeffizienten
- Förderrichtlinie BEG EM vom 17. Juli 2026
- Bekanntmachung der Regeln zur Datenaufnahme im Wohngebäudebestand (08.10.2020) – Pauschal-U-Werte
- OBI – Fassadendämmplatten EPS 032/035
- Wärmeübergangswiderstände nach DIN EN ISO 6946 (Übersicht)
- Verbraucherzentrale – Wärmedämmung richtig anpacken (Stand 28.09.2026)